Oekoandina

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 Kontakt: B. Holzer, H. Kleine-Hering, W. Herget

 

Neues Projekt im Hochland der Puna

Innovatives Energie- und Wasserressourcenmanagement zur Stärkung der

kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Hochtal von Coctaca (NW-Argentinien)

Projekt 2018 - 2020

 Das Projekt:

Das Hochtal von Coctaca, in der NW-argentinischen Provinz Jujuy gelegen, war in vorinkaischer Zeit ein blühendes agrarisches Zentrum.

Der Lebensstandard der heute dort lebenden Menschen liegt am unteren Rand des argentinischen Durchschnitts.

Das Projekt soll die indianische Bevölkerung dazu befähigen, das hohe agrarökologische Potenzial des Hochtals nachhaltig für eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zu nutzen und die Abwanderung umzukehren.

Die Projektmaßnahmen zielen darauf ab, die knappen Wasserressourcen besser zu erfassen und sie effizienter für den kleinbäuerlichen Anbau von traditionellen + angepassten Nahrungspflanzen zu nutzen.

Die solaren Energieressourcen werden für die landwirtschaftliche Produktion und Verarbeitung genutzt. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Kooperative soll durch das Projekt die Selbstversorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln erreicht und die Erwirtschaftung zusätzlicher Familieneinkommen durch den Verkauf von Ernteüberschüssen ermöglicht werden.

Die Feigenkakteen zeigen ehemalige landwirtschaftliche Nutzung mit Besiedlung an

 Projektlaufzeit: 2018 - 2020
 Projektland: Argentinien

Wenn Ihnen dieses Projekt gefällt und Sie uns darin unterstützen wollen, kontaktieren Sie uns  -  jede Spende ist willkommen und fließt direkt dem Projekt zu.


 Ausgangssituation und Hintergrund

Das Projektgebiet befindet sich auf 23,08° Süd und 65,17° West im Bezirk Humahuaca in der Provinz Jujuy im Nordwesten Argentiniens. Das Hochtal von Coctaca liegt auf einer Höhe von 3.200 Metern, es war in vorinkaischer Zeit ein wichtiges Zentrum landwirtschaftlicher Produktion. Auf den von Steinmauern („Pircas“) eingefassten Terrassen herrschte ein günstiges Mikroklima für den Anbau von Mais, Kartoffeln, Oca (Oxalis tuberosa), Quinoa, Bohnen und anderen Nahrungspflanzen. Archäologische Schätzungen besagen, dass auf über 140 Quadratkilometern terrassierter Fläche Nahrungsmittel für damals mehrere zehntausend Menschen angebaut worden sind.

Heute liegt ein großer Teil der ehemaligen Anbauterrassen brach, nur noch etwa 30 Familien betreiben Ackerbau und Viehzucht in kleinbäuerlichem Maßstab. Die Agrarprodukte dienen überwiegend der Selbstversorgung, wobei lokale Sorten von Nutzpflanzen eine wichtige Rolle spielen. In geringem Masse erzielen die Produzentenfamilien auch Ernteüberschüsse, die sie auf dem lokalen Markt in Humahuaca verkaufen.

Das heute herrschende Klima im Hochtal von Coctaca ist semiarid. Die Regenfälle konzentrieren sich auf die Sommermonate von Dezember bis März, die Gesamtmenge der Niederschläge liegt bei 120 bis 250 Millimetern jährlich, weshalb ein Anbau nur unter Bewässerung erfolgen kann. Aufgrund der Hochlage ist der Freilandanbau auf die Monate Dezember bis April/Mai beschränkt.

Die Wasserknappheit ist der wichtigste physische Faktor, der die landwirtschaftliche Produktion begrenzt: Das ist zum einen in der begrenzten Verfügbarkeit der Wasserressourcen begründet und es liegt zum anderen an der suboptimalen Nutzung des vorhandenen Wassers.

Derzeit können die einzelnen Parzellen im Hochtal nur alle 10 bis 14 Tage turnusgemäß bewässert werden. Die Wasserzuleitungen sind offene Kanäle, die Bewässerung wird traditionell als Überstaubewässerung durchgeführt, wobei in beiden Fällen hohe Verluste durch Verdunstung und durch Infiltration zu verzeichnen sind.

Für das Wassereinzugsgebiet des Hochtales liegen keine gesicherten meteorologischen oder hydrologischen Daten vor, weshalb ein wissenschaftlich fundiertes Wassermanagement derzeit noch nicht möglich ist.

traditionelle Inka Terrassenflächen zeigen die ungeheure kulturelle Leistung, die von den Siedlern in diesem hoch gelegenen Gebiet über Jahrhunderte geleistet wurde.Im vorliegenden Projekt werden daher auch meteorologische und hydrologische Grundlagendaten erhoben, die genaueren Aufschluss über die potenziell vorhandenen Wasserressourcen und über deren nachhaltige Bewirtschaftung erlauben werden. Die Rekonstruktion des ehemaligen historischen Wassernutzungssystems aus der Inkazeit soll helfen den Einsatz von modernen Methoden in das aktuelle agrarökologische Gesamtnutzungssytem zu integrieren anstatt es einfach darüber zu legen. Eine Erhöhung der allgemeinen Wasserverfügbarkeit wird durch Verbesserungen der Wasserfassungen (z.B. durch Drainagesysteme) und durch die Einrichtung von feldnahen Zwischenspeichern erreicht. Geschlossene Zuleitungen aus PE Schlauch werden die Wasserverluste herabsetzen und dadurch die Wasserzuleitung und –verteilung zu den einzelnen Feldern verbessern. Solar betriebene Wasserpumpen werden dort eingesetzt werden, wo keine Schwerkraftzuleitung möglich ist. Innovative Tröpfchen-Bewässerungssysteme werden das vorhandene Wasser effizienter nutzen. Ein Gemeinschaftsgewächshaus wird den ganzjährigen Anbau von Gemüse erlauben. Die Ernteerträge können in familiengerechten Solartrocknern für eine längere Lagerung haltbar gemacht werden.

 

Ein wichtiger sozialer Faktor, der die Entwicklungschancen des Hochtales begrenzt, ist die Überalterung der landwirtschaftlich aktiven Bevölkerung. Der Lebensmittelpunkt der jüngeren Mitglieder der Familienverbände liegt meist in der Bezirkshauptstadt Humahuaca (etwa 12.000 Einwohner), wo es eine kleinstädtische Infrastruktur, Bildungsmöglichkeiten und ärztliche Versorgung gibt. Allerdings sind dort die Erwerbsmöglichkeiten sehr begrenzt, weshalb viele Menschen staatliche Transferleistungen und sogar direkte Nahrungsmittelhilfe erhalten.

Das vorliegende Projekt soll dazu beitragen, dass sich die Menschen wieder zunehmend selbst mit lokal angebauten, hochwertigen Nahrungsmitteln versorgen können und dass darüber hinaus Ernteüberschüsse erwirtschaftet werden.

 

Durch die Zusammenarbeit mit der Kooperative Unión de Pequeños Productores Aborígenes de Jujuy y Salta (UPPAJS) wird den Produzentenfamilien ein Zugang eröffnet, über den sie Ernteüberschüsse auf die lokalen Märkte bringen können und über den sie ein zusätzliches Familieneinkommen erzielen können.

Längerfristig soll das Projekt dazu beitragen, dass jüngere Menschen eine Lebensperspektive in ihrer Heimat finden können und dass sie sich nicht zur Abwanderung in andere Landesteile gezwungen sehen.

Wie eingangs erwähnt, war das Hochtal von Coctaca vor Jahrhunderten ein blühendes agrarisches Zentrum. Klimaveränderungen, Eroberung und Kolonisierung, politische Entscheidungen und viele andere Faktoren mehr haben dazu geführt, dass sich der Lebensstandard der heutigen Bevölkerung im unteren Bereich des argentinischen Durchschnitts befindet.

Das vorliegende Projekt soll dazu beitragen, die heute dort lebende Bevölkerung dazu zu befähigen, das hohe agrarökologische Potenzial des Hochtales nachhaltig und in vollem Umfang für eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zu nutzen.